Ilse Schneider-Lengyel (1903-1972) gehört zu den bedeutenden, bislang aber eher unbekannten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Als sich selbst so bezeichnende „Lichtbildnerin“ und Kunsthistorikerin entwickelte sie eine bemerkenswerte Eigenständigkeit darin, berühmte Werke der Bildhauerkunst mit fotografischen Mitteln zu verlebendigen, aber auch sprachlich in ihrem Wesensgehalt zu entziffern. Darüber hinaus betätigte sie sich nach traumatischen Erfahrungen im „Dritten Reich“ als kulturell wie politisch engagierte Publizistin und Dichterin mit einer universell-humanistischen Botschaft.
Ilse Schneider-Lengyel lebte und arbeitete in München, Berlin, Paris und regelmäßig in Schwangau auf dem familieneigenen „Seegut Bannwaldsee“. In der literarischen Welt ist der Bannwaldsee bis heute ein bekannter, geradezu mythischer Ort, gründete sich doch dort am 6. und 7. September 1947 die legendäre Gruppe 47 um Hans Werner Richter. Initiatorin und fürsorgliche Gastgeberin dieses Treffens war Ilse Schneider-Lengyel. Nicht zuletzt in der selbsthistorisierenden Geschichtsschreibung der Gruppe 47 wird die außergewöhnliche Künstlerin bis heute auf diese Rolle reduziert.